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06.10. | Wieder zurück in Köln

Drei Kreuze haben Tanja Fasching und Tobias Werner am Samstag gemacht, als am Tag nach der letzten »Don Giovanni«-Aufführung ein Großteil aller Beteiligten im Flugzeug nach Deutschland bzw. nach Macao saß. »Eine große Herausforderung während der letzten Monate war es u. a., bis zu 330 auf drei Hotels verteilte Personen immer rechtzeitig zu und von den Spielstätten zu bewegen sowie die Shuttles von und zu den Flughäfen sicherzustellen – von der korrekten Buchung der vielen Flüge und das Einholen der Visa mal ganz abgesehen. Viel Zeit beanspruchte auch, gemeinsam mit den chinesischen Kollegen Personal und fehlendes Material vor Ort zu organisieren«, sagte Tourneeleiterin Tanja Fasching. »Das mitgereiste Team hat es mit viel Erfahrung, Geduld und Improvisationsvermögen geschafft, zwei (eigentlich fünf) Produktionen, die für die Bühne der Oper Köln konzipiert sind, in zwei sehr unterschiedliche Opernhäuser zu transferieren. Sich in einem fremden Haus in nur wenigen Tagen zu orientieren – sei es auf der Bühne aber auch hinter den Kulissen – das ist eine gewaltige Leistung, zu der man allen nur herzlich gratulieren kann.« Inzwischen sind auch die Kolleginnen und Kollegen der Bühnentechnik, Beleuchtung, Requisite und Kostümabteilung, die direkt im Anschluss und am Tag nach der letzten Vorstellung in Beijing den Abbau und das Verladen der Container durchgeführt haben, in Köln angekommen. Projektleiter Tobias Werner, der über ein Jahr lang an der Vorbereitung dieses Gastspiels arbeitete, zeigte sich zufrieden mit dem Verlauf und dem Ergebnis der Reise. »Die letzten Wochen waren für alle Beteiligten extrem anstrengend, aber die Reaktionen auf die Aufführungen in China waren derart überwältigend, dass man alle vorherigen Strapazen schnell vergisst. Manchmal muss man eben im doppelten Sinne Grenzen überschreiten, um eine solche Leistung vollbringen zu können. «

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04.10. | 再见 [zai jian] – Auf Wiedersehen China

Letzte Station auf der Reise durch China war für das Gürzenich-Orchester Köln die ehemalige portugiesische Kolonialstadt Macao. Hier eröffnete das Orchester unter Anwesenheit des deutschen Generalkonsuls mit Sitz in Hongkong und dessen portugiesischen Kollegen aus Macao sowie des Kulturdezernenten der Stadt Köln, Prof. Georg Quander, das Macao Arts Festival.

Doch vor dem Konzert fand in traditioneller chinesischer Weise eine inoffizielle Eröffnung hinter der Bühne statt. Um 12 Uhr wurden hinter dem Bühneneingang Räucherstäbchen angezündet, Tee und Schnaps auf den Boden geschüttet, ein Spanferkel, ein Huhn, Orangen und Äpfel verspeist. Das bringt Glück für das gesamte Festival – und glücklich gelang auch das Auftaktkonzert.

Der seit Wochen ausverkaufte Saal überraschte die Musiker zunächst mit seiner hervorragenden Akustik. Ebenso groß war die Überraschung und Freude über ein sehr konzentriertes Publikum. Beim Siegfried-Idyll herrschte absolute Stille und auch zwischen den Sätzen der beiden Sinfonien wurde – anders als in Köln – nicht gehustet oder getuschelt.

Das Gürzenich-Orchester spielte mit viel Emotion und Herzblut und sicher war es für alle Beteiligten ein sehr emotionaler Abend. Nach fast 4 Wochen in China war das Konzert der krönende Abschluss:  Nach vielen Stunden gemeinsamen Musizierens war die Gruppe zusammengeschweißt und spielte mit Vorfreude auf zu Hause und mit einer großen Dankbarkeit gegenüber dem chinesischen Publikum. Dieses war nach der Brahms-Sinfonie sehr bewegt und bedankte sich seinerseits mit Beifallsstürmen beim Orchester und Markus Stenz. Man habe noch nie ein so gutes und sympathisches Orchester erlebt, bekundeten einige Zuhörer. Generalkonsul Werner Lauk bedankte sich nach dem Konzert bei Markus Stenz mit den Worten:  »Sie und das Gürzenich-Orchester sind die besten Botschafter für Deutschland.« So fiel dann auch bei der Verabschiedung immer wieder der Satz »Ihr müsst wiederkommen«. Das machen wir natürlich gern, denn auch für das Orchester war diese Reise ins Reich der Mitte ein unvergessliches Erlebnis.

In diesem Sinne: 再见 [zai jian] – Auf Wiedersehen!

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01.10. | Übung macht den Meister!

André Sebald, Solo-Flötist im Gürzenich-Orchester, hat in Shanghai nicht nur die »Ring«-Vorstellungen gespielt, sondern am Konservatorium in Shanghai außerdem Meisterkurse gegeben.

»Mein aufregendster Moment in Shanghai war der Mittag, bevor ich zur Hochschule aufgebrochen bin. Wir wussten nicht, was uns erwarten würde.  Mein Plan wurde einen Tag vorher umgeworfen, ich hatte keine Ahnung, welcher Ablauf und welche Stücke mich erwarten würden: sehr spannend.

In einer rasenden Fahrt mit dem 2. Flötisten des Shanghaier Orchesters landeten wir wohlbehalten in der Hochschule. Terence, ein chinesischer Hornist aus Düsseldorf, der in Shanghai im Orchester sitzt, hatte alles organisiert und übersetzte fast den ganzen Nachmittag simultan.

Es ging los mit einer jetzt in Lausanne studierenden Flötistin (24), die einen technisch recht versierten Karg-Elert spielte und schon sehr erwachsen war. Es folgte ein 16-jähriges Mädchen mit der Fauré-Fantasie. Ich fand sie technisch sehr begabt, klanglich und musikalisch bestimmt ausbaufähig. Dann habe ich mit allen kleinen und größeren chinesischen Flötistinnen und Flötisten (ca. 15) eine Technikstunde abgehalten, in der ich versucht habe, viel Flötentechnik zu erklären, von der Haltung, Atmung, Vibrato, über Zungenstoß … bis zu einem schönen Ton, naja … Übung macht den Meister. Ein sehr talentierter 15-jähriger spielte äußerst begabt Prokofjew, die Tochter (14) des Soloflötisten aus Shanghai konnte schon ganz nett Taffanel vortragen. Endlich – zum Schluß – eine Bach-Sonate: g-Moll, das Mädchen war 20, sehr nett und hatte ihren eigenen Kopf. Ein weiteres Mädchen studiert in Würzburg, spielte nicht, konnte aber ganz hervorragend Deutsch.

Die Lehrerin, Frau Piao Mei Xiang, war eine Frau mit großer Ausstrahlung, erinnerte mich in ihrer Art sehr an meine alte Lehrerin Frau Zöller, sie hatte alles im Griff. Irgendwann mußte ich aufhören zu unterrichten, denn sie hatte einen Tisch zum Essen bestellt, 10 Minuten gab sie mir noch, dann war Schluss.

Ja, und dann kam das Eigentliche: Das Essen scheint hier immer im Mittelpunkt zu stehen. Man saß in großer Runde, auf dem Tisch eine große, sich drehende Glasscheibe und darauf wurde ohne Unterlass ein Schälchen nach dem anderen gestellt. Ich habe fast alles probiert, sehr exotisch, die überbackenen Hühnerfüße habe ich an mir vorüberziehen lassen, die habe ich neulich schon probiert: furchtbar. Wir haben alles vertragen.

Auch dann bestimmte Frau Xiang, wann das Essen zu Ende ist und ich fuhr mit meinem Kollegen Udo Mertens zum Hotel mit einem Taxifahrer, der offensichtlich schneller fahren wollte als Schumi …

Ein aufregender Tag ging zu Ende, der aber ein gutes Gefühl bei mir hinterließ.«

André Sebald über den Erfolg in Shanghai: »Nach der Götterdämmerung stand das ganze Orchester auf der Bühne und wurde unglaublich gefeiert. Es war ein besonderes Gefühl, in den tobenden Zuschauerraum zu schauen, aber nur die Blitzlichter der Fotoapparate zu sehen.«

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30.09. | Beijing – reich an Kulturdenkmälern

Sehr interessant ist der Unterschied, den man zwischen Shanghai und Beijing feststellen kann: Shanghai erscheint den Besuchern, die den Vergleich haben, als dynamischer und vielfältiger, als ein Ort, an dem es immer wieder Neues zu entdecken gibt und der sich gerade auf beeindruckende Weise verändert. Beijing ist offizieller, geordneter, ein Zentrum von Verwaltung und Regierung, weniger eine Stadt zum »Umherstreifen« als es Shanghai ist. Gleichzeitig gibt es in Beijing mehr beeindruckende geschichtliche und kulturelle Denkmäler. Die Premiere »Don Giovanni« am Mittwochabend im National Centre for the Performing Arts (NCPA) in Beijing war jedenfalls ein großer Erfolg für alle Beteiligten. Neben zahlreichen chinesischen Zuschauern waren auch viele Europäer zu sichten, darunter Botschaftsangehörige und Vertreter westlicher Firmen. Die Spielstätte liegt direkt neben den offiziellen Regierungsgebäuden und ist nicht weniger abgesichtert als diese. Die »Party-Szene« im Hause von Don Giovanni wurde nicht ganz so »textilfrei« gezeigt wie in Köln – aus Rücksicht auf die diesbezüglichen Sehgewohnheiten der Gastgeber. Insgesamt viele heitere Reaktionen, am Schluss Jubel.

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29.09. | Gastspiel in der Heimat für den Solocellisten

Seit neun Monaten hat das Gürzenich-Orchester einen Solo-Cellisten, der aus China kommt: Bonian Tian wurde in Shenyang geboren, hat 8 Jahre lang in Peking gelebt und ist seit 5 Jahren in Deutschland. Für ihn ist unser Gastspiel besonders emotional: »Ich bin sehr stolz, mit dem Gürzenich-Orchester und der Oper Köln bei einem so wichtigen Projekt in meinem Heimatland dabei zu sein. Besonders überrascht und gefreut hat mich die Reaktion des Publikums. Bevor wir hier her gekommen sind, habe ich mir große Sorgen gemacht, ob das Publikum 15 Stunden Wagner durchhält, ob sie damit etwas anfangen können oder ob nach den Aktpausen der Saal halb leer sein würde. Normalerweise applaudieren die Chinesen nur sehr kurz und sehr zurückhaltend. Was wir hier nach der Götterdämmerung erlebt haben, war außergewöhnlich.

In China gibt es nur sehr wenige Opernaufführungen. Die meisten Orchester hier können das gar nicht spielen und schon gar nicht Wagner. Den Ring hier in Shanghai zu erleben, war für mich aber auch für das Publikum etwas ganz besonderes. Viele kennen die Musik von CDs, aber haben noch nie eine Aufführung gesehen.«

Und das Orchester freut sich ganz besonders in Bonian einen ausgezeichneten Solo-Cellisten, aber hier auf Reisen auch einen erstklassigen Dolmetscher zu haben. Nicht selten kommt es vor, dass er beispielsweise beim Mittagessen sitzt und andre Kollegen aus einem anderen Restaurant ihn anrufen, damit er der Bedienung die Bestellung durchgeben kann? Vielen Dank für Deine Hilfe und Deine Geduld!

Bonian Tian, Solocellist des Gürzenich-Orchesters, im Kreise seiner Kollegen der Cellogruppe. Foto: Catrin Moritz

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28.09. | Open Air-Konzert auf dem Expo-Gelände

Nach dem Ende des zweiten »Ring«-Zyklus’ in Shanghai spielte das Gürzenich-Orchester Köln am Samstag ein Open Air-Konzert auf dem EXPO-Gelände. Die Bühne stand auf dem European Square zwischen den Pavillons von Portugal, Bosnien Herzegovinas und Belarus. Schon bei der Probe am Nachmittag waren zahlreiche Zuhörer vor Ort und beim Konzert selbst war der Platz gefüllt mit Menschen, die zum Teil den »Ring« im Grand Theater gesehen hatten und extra noch einmal auf die EXPO gekommen waren, um das Gürzenich-Orchester zu hören.

Zum Glück spielte auch das Wetter mit und der leichte Nieselregen hörte pünktlich vor dem Konzert auf. Das Programm mit Mozarts A-Dur Sinfonie, Wagners Siegfried-Idyll und Brahms Sinfonie Nr. 1 wurde mit viel Applaus aufgenommen. Bei der Zugabe des chinesischen Stücks »Jasemin« ging ein begeisterter Jubel durch das Publikum. Markus Stenz und dem Orchester schlugen wieder Wellen der Begeisterung entgegen und vor allem Markus Stenz fand sich nach dem Konzert umringt von Fans. Bei der anschließenden Autogrammrunde versicherten die Besucher dem GMD noch einmal welch eine außergewöhnliche Erfahrung die Aufführung von Wagners »Ring« für sie gewesen sei!

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27.09. | Die Reise geht weiter …

»Niu bi«-Rufe waren im Shanghai Grand Theatre zu hören, als sich Brünnhilde-Darstellerin Catherine Foster am Freitag nach Richard Wagners »Götterdämmerung« verbeugte. Das heißt zu Deutsch so viel wie »Teufelsweib« und gilt bei solchen Gelegenheiten als Ausdruck besonderer Anerkennung.

Im Anschluss an die Vorstellung wurden das Bühnenbild, die Kostüme und Requisiten in Container für die Rückreise nach Köln  (zu Schiff über Hamburg) beladen.

Für einen Teil der Mannschaft ging die Reise am Samstag bzw. Sonntag weiter nach Beijing, wo am Dienstagabend die Generalprobe »Don Giovanni« und von Mittwoch bis Freitag drei Vorstellungen dieser Mozart-Oper stattfinden werden. Das imposante National Center for the Performing Arts wird aufgrund seiner äußeren Form auch »The Egg« genannt.

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24.09. | Die Schaltzentrale: six in one

Hier ein visueller Eindruck unserer »Schaltzentrale«, in der alles zusammenläuft: Ein fensterloser, winziger Raum der zunächst nur mit einem Stuhl und einem Tisch ausgestattet war. Nach und nach haben wir uns dort häuslich eingerichtet und finden, wir haben das Beste daraus gemacht. Eigentlich war uns vor unserer Reise etwas anderes zugesichert worden.

In den Stoßzeiten vereinen sich in diesem Raum die sechs Büros der Projektleitung, der Tourneeleitung, des Künstlerischen Betriebsbüros, des Orchesterinspizienten, der persönliche Referentin des Gürzenich-Kapellmeisters und der Pressearbeit. Und zusätzlicher Besuch ist natürlich immer herzlich willkommen …

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24.09. | »Der Hunger nach Musik« – Der KSTA über das China-Gastspiel

Lesen Sie hier den Artikel des Kölner Stadtanzeigers über das Mammutprojekt der Oper Köln in der »Stadt der Extreme«:

Der Hunger nach Musik

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24.09. | Die Oper Köln in der WDR-Lokalzeit

Am Mittwoch zeigte die Lokalzeit des WDR einen Beitrag zum China-Gastspiel der Oper Köln:

Sendung 22. September 2010

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